Wallfahrtskirche Mariaort

Wallfahrtskirche Unserer lieben Frau in Mariaort

Kurze C h r o n o l o g i e. – Gesicherte Nennung der Ortschaft „Ort“ im 11. Jh. 1192 Erwähnung einer Kirche und Zuordnung zur Pfarrei Eilsbrunn. Als Marienkirche 1352 erstmals erwähnt, an der Mündung der Naab in die Donau, auf schmaler Landzunge gelegen.

Ehemals zum Kloster St. Emmeram in Regensburg gehörend. In organisatorischer Hinsicht gehörte die Kirche immer zur Pfarrei Eilsbrunn; sie besaß jedoch den Rang einer Hauptfilialkirche, d.h. in ihr durfte das Sakrament der Taufe gespendet werden und zu ihr gehörte ein Friedhof. Mariaort hatte zeitweise einen eigenen Kaplan, der vom Abt von St. Emmeram ernannt wurde; der Abt hatte auch das Patronatsrecht über die Pfarrei Eilsbrunn.

Um 1400 Enstehung des Gnadenbildes von Mariaort.

1510-1517 Ablaßverleihungen mehrerer Kardinäle und Gründung einer Allerseelenbruderschaft. Mitte des 16. Jh. (Reformation) Stagnation, die bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges dauerte. Plünderung der Kirche.

Blütezeit der Wallfahrt im 17./18. Jh., bes. durch den Regensburger Bischof Albert IV. von Törring +1649 und Weihbischof Graf Albert Ernst von Wartenberg +1715 (Reliquieneinsetzung in den neuen Hochaltar 1699). Zu Beginn des 18.Jh. Bestrebungen, Mariaort zum Wallfahrtszentrum großen Stils auszubauen. Errichtung der Kalvarienbergkirche. Marien- und Kreuzverehrung auf engstem Raum als eine gemeinsame Wallfahrtstätte. -

E n t s t e h u n g d e r W a l l f a h r t. - Das Gnadenbild, der Legende nach in der Zeit der oströmischen Bilderstürme (8. Jh.) bei Konstantinopel ins Meer geworfen, soll auf einer Wacholderstaude stromaufwärts hierher getrieben worden sein (an der Sakristei außen getreppter Kragstein mit der legendären Staude). Legendär auch der Bau der Kapelle, für die Engel das Baumaterial herantrugen (Vorstellung einer besonders begnadeten Stätte). -

G n a d e n b i l d . – Die Kirche besitzt zwei Gnadenbilder in gleicher Formgebung aber mit verschiedenen Fassungen. Eines besteht aus Basaltstein (jetzt in der Nische des Hochaltares), das zweite in der jetzigen Sakristei ist holzgeschnitzt. Beide stammen aus der Zeit um 1370. Das steinerne Bild war wohl früher an der Außenwand der Kirche zu sehen, während das aus Holz geschnitzte Gnadenbild wahrscheinlich in der Rundbogennische des Chores (jetzt Sakristei) verehrt wurde. -

B a u g e s c h i c h t e. – 1774 Abbruch der gotischen Kirche (Langhaus), 1774-76 Neubau von Chor und Langhaus unter Pfarrer Benedikt Hopp; Ausmalung durch Matthias Schiffer (1744-1827), letzter Monumentalfreskant des steirischen Barock; Weihe 1774. Nach dem Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriff notwendige Innenrenovierung 1952 wiederhergestellt, z.T. mit Übermalungen. 1984 Restaurierung der gesamten Raumschale und Gewölbezone. 1989/90 Renovierung der Inneneinrichtung (Altäre, Kanzel und Chorgestühl), 1998/99 der Fassade. -

Ä u ß e r e s. - Von der spätgotischen Kirche der ehem. Chor erhalten., jetzt Sakristei; Mitte 15. Jh., Kreuzrippengewölbe mit Schlußstein „Maria mit Jesuskind" auf den Wellen. Polygonal schließend mit dreieckigen Streben, Maßwerkfenster nach Osten. Turm auf der Südseite, das qadratische Untergeschoß spätgotisch, oktogonaler Aufsatz des 18. Jh. mit welscher Haube. Aus der Achse gerückt der segmentbogig ausgebildete spätbarocke Chor, wie das Langhaus mit Lisenengliederung.

I n n e r e s. - Großräumige Saalkirche mit eingezogenem Chor, typisch die umlaufende Wandgliederung durch Doppelpilaster, hier mit klassizistisch ausgeformtem Gebälk. Die Chorwand seitlich konkav gerundet, der Chorbogen gemuldet. Stichkappentonnenwölbung, über dem Langhaus stichbogig. Doppelte Westempore.

D e c k e n m a l e r e i von Matthias Schiffer um 1774.
Jochübergreifende Bildfelder in barocker Raumillusion, gemalte Stuckrahmen und -kartuschen, Stand- und Sitzfiguren, Medaillons in Tonmalerei (Grisaille). Im Chor Auffindung des Gnadenbildes im Fluß, ergänzt durch Szenen der Legende in den Medaillons. Im Langhaus „Vollendung Mariens“ mit reicher, perspektivisch gemalter Architektur in frühklassizistischem Stil. Gekonnte Verbindung von atmosphärischem Illusionismus des Barock mit plastischer Klarheit des Klassizismus. Die Kartuschen zeigen Ereignisse aus der Wallfahrtsgeschichte. Auf breiten Sockeln in der Chorlaibung die vier Evangelisten.

A u s s t a t t u n g. - H a u p t a l t a r, stattlicher viersäuliger Aufbau im Übergang vom Rokoko zum Klassizismus. In einer Nische (Fassung in Polierweiß mit Ornamenten in Gold) das steinerne Gnadenbild der Muttergottes aus der 2. Hälfte des 14. Jh. mit charakteristischen gotischen Gewandfalten und Schleiertuch auf dem Haupt. Auf dem rechten Arm Jesuskind, mit beiden Händen eine Kröte fassend, der linke Arm hält eine Wasserrose. Fassung und Krone sind eine barocke Zutat. Seitlich überlebensgroße Holzfiguren der hll. Petrus und Paulus, weiß gefaßt, Gewandsäume in Gold. Im Auszug Gottvater in der Glorie und Putti am Hauptgesims. Lamm Gottes mit Buch über Tabernakel (Glanzgold und –silber).

Im Chor N e b e n a l t ä r e aus der Mitte des 17. Jh., dünne Säulen und Wappenkartuschen; Altarblätter: Anbetung der Könige und Anbetung der Hirten.

S e i t e n a l t ä r e an der Chorwand, um 1776-80, Simon Sorg /Regensburg, zugeschrieben, Retabel auf Sockel mit zwei Säulen, unten kanneliert, über den Säulen auf Postamenten Rosenherz; Figurennische als Pilasterarchitektur gestaltet, unter baldachinartiger Tuchdrapierung Schnitzfiguren der hll. Sebastian und Joseph, farbig gefaßt; auf dem Gebälk zwei sitzende Putti. Elegantes Spätrokoko mit formenreichen Auszügen (brennende von Rosen umwundene Herzen in Strahlen-, Wolken- und Puttengloriole).


K a n z e l um 1777, Sorgs Zeitgenossen Joachim Anton Pfeffer /Prüfening, zugeschrieben. Auf dem Schalldeckel Figur des hl. Augustinus; am Kanzelkorb Reliefbilder des Sämanns und des Guten Hirten; an der Rückwand Fischzug Petri; am Kanzelkranz Quastengehänge, darüber drei Putti mit Buch, Anker und Kreuz (Glaube, Hoffnung und Liebe).

Geschnitzte B e i c h t s t ü h l e, frühklassizistisch. – Auf der oberen Empore mit Akanthusranken geschmückte O r g e l (Gehäuse Neobarock; Spielwerk 1897, Fa. Martin Binder). - An der Chorwand viele volkskundl. interessante V o t i v t a f e l n (Tracht) z.T. 18. Jh.- Im Chor achteckiger T a u f s t e i n mit Inschrift „1515 Christoph Eiffel“, Wappen mit Mühlstein. - Qualitätvolle Plastiken: In einer Nische an d. Südwand Pieta um 1500; am Chorbogen St. Rochus mit ausdrucksvoller Gebärde.

B e d e u t u n g. – Die Wallfahrtskirche Mariaort zählt ihrer Größe nach zu den kleinen Wallfahrtskirchen der Oberpfalz, doch liegt sie malerisch am Naabufer und nimmt durch ihre einheitliche Architektur und Ausstattung in der letzten Phase des Spätbarock im Übergang zum Frühklassizismus eine bemerkenswerte Stellung ein. Das Generalkonservatorium München bezeichnete die Wallfahrtskirche als eine der schönsten Kirchen des 18. Jh. in der Umgebung Regensburgs.

Die beliebte Tauf- und Hochzeitskirche hat als Marienwallfahrtsort eine ganzjährige Ausstrahlung bis nach Franken und Tschechien. Viele Fußwallfahrer besuchen auch heute noch die nach umfangreichen Sanierungen vorzüglich wiederhergestellte Gnadenstätte.

Die Hauptwallfahrtstage sind die Feste "Mariä Vollendung" (15. August) und "Mariä Geburt" (08. September).